Wohnen ist ein existentielles Bedürfnis, aber gerade in städtischen Gebieten ist erschwinglicher Wohnraum rar. Als angrenzende Gemeinde zur Stadt Bern ist Muri-Gümligen eine attraktive Alternative zu teuren Stadtwohnungen, allerdings wird auch in unserer Gemeinde vor allem Wohnraum im höheren Preissegment angeboten. Die Initiantinnen und Initianten begrüssen das von der Gemeinde angestrebte Wachstum nach innen, jedoch soll dieses sozial verträglich gestaltet werden, indem ein gewisser Anteil an erschwinglichem Wohnraum garantiert wird. Wir wollen in einer Gemeinde leben, die Wohnraum für alle Bevölkerungsschichten schafft und nicht nur für Privilegierte. 

In der Gemeinde Muri-Gümligen werden nur noch wenige Grossüberbauungen realisiert. Konkret betrifft unsere Initiative  die Schürmatt, dem Gümligenmoos sowie dem Gebiet nördlich der Thunstrasse. Parzellen mit einer Geschossfläche von weniger als 4'000 Quadratmeter werden nicht tangiert. Beim Begriff «preisgünstig» orientiert sich die Initiative  an den Bestimmungen der WFV und insbesondere an den durch das Bundesamt für Wohnungswesen (BWO) definierten Anlagekostenlimiten. Für eine 4,5-Zimmer-Wohnung würde dies bedeuten, dass nicht mehr als 1850 Franken im Monat kosten darf. Die Initiaitve verpflichtet die Gemeinde zusätzlich, entsprechende Projekte mit Hilfe von gemeinnützigen Bauträgern zu realisieren. Damit kann reinen Renditeobjekten entgegengewirkt werden. 

Die Initiantinnen und Initianten sind sich sicher, dass preisgünstiger Wohnraum zu einer höheren sozialen Durchmischung, lebendigeren Quartieren und damit zu mehr Lebensqualität führt. Die Initiative soll nachhaltig zu weniger Spekulationen, hoher Wohnsicherheit, einem aktiven Gemeinschaftsleben, mehr Mitspracherecht sowie einer Verjüngung der Bevölkerung beitragen. Zudem werden damit höhere Energie- und Umweltstandards sowie verdichtetes Bauen gefördert. 

Mit der Zentrumsentwicklung Gümligen wurde bereits im Herbst 2018 aufgezeigt, dass gewisse Auflagen im Ausschreibungsverfahren nicht wettbewerbshindernd sind. Im Gegenteil: Mit den Afulagen konnte ein spannendes, bereicherndes und soziales Projekt für die Zentrumsentwicklung gewonnen werden. Weitere Informationen zum Verfahren finden Sie unter anderem hier. 


Frequently Asked Questions

Kann man heute überhaupt noch bezahlbare Wohnungen bauen?

Neue Wohnungen sind nie so billig wie Wohnungen in Altbauten, die nicht saniert worden sind. Vermieten aber Genossenschaften oder andere gemeinnützige Wohnbauträger Wohnungen, oder vermieten sie diese in Kostenmiete, so werden sie mittel- und langfristig bis zu 20 % unter den Marktmieten liegen. Denn solche Wohnungen werden der Spekulation entzogen. Günstige Wohnungen hängen auch vom Ausbaustandard und dem Bodenpreis ab.

Entstehen jetzt überall Sozialwohnungen?

Nein. Sozialwohnungen und Wohnungen von gemeinnützigen Wohnbauträgern sind nichtdasselbe. Gemeinnützige Wohnbauträger vermieten in Kostenmiete, sprich sie verzichten auf Gewinne. Sie bieten in der Regel sowohl grössere und als auch kleinere Wohnungen an. Das ermöglicht eine gute Durchmischung der Mieterschaft: alleinstehende Junge, Familien, ältere Personen usw. mit unterschiedlich hohen Einkommen. Die Initiative «Bezahlbares Wohnen in Muri-Gümligen» fördert das bezahlbare Wohnen in Wohnungen gemeinnütziger Wohnbauträger. Sozialwohnungen hingegen sind subventionierte Wohnungen für Personen mit ausgesprochen niedrigen Einkommen. Entweder erhalten die entsprechenden Mieter/-innen Beiträge an ihre Mieten (Subjektfinanzierung), oder es gehen Beiträge an die Bauherren, damit sie die Wohnungen günstiger vermieten können (Objektfinanzierung).

Kann man sicher sein, dass die Wohnungen dauernd in Kostenmiete vermietet werden?

Ja. Der Gemeinderat wird durch Absatz 2 der neuen Baureglementsbestimmung verpflichtet, in einer Verordnung sicherzustellen, dass die Wohneigentümer/-innen der Verpflichtung zur Kostenmiete dauernd nachkommen. Er kann dies in Verträgen und in Anmerkungen im Grundbuch festhalten. Zudem wird der Gemeinderat verpflichtet, in gewissen Abständen die Mietzinse zu kontrollieren. Dort, wo gemeinnützige Wohnbauträger Eigentümer sind, kann man auch sicher sein, dass diese selbst die Prinzipien der Kostenmiete einhalten und Belegungsregelungen aufstellen. Das vereinfacht die Kontrolle.

Verletzt die Initiative die Eigentumsgarantie?

Nein: Denn: Ein-, Auf- und Umzonungen von grösseren Arealen begünstigendie Grundeigentümer/-innen in den betroffenen Gebieten. Ihr Bodeneigentum erfährt einen beträchtlichen Renditezuwachs, ohne dass sie etwas dazu beitragen müssen. Die Auflage, mindestens 20 % der zusätzlichfür das Wohnen bestimmten Nutzungsfläche dem Wohnen in Kostenmiete zuzuführen, ist eine massvolle Einschränkung dieser Begünstigung. Die Grundeigentümer/-innen werden trotz dieser Bestimmung weiterhin einen anständigen Renditezuwachs realisieren können. Solche Ein-, Auf- und Umzonungen ermöglichen attraktive Wohngebiete. Deshalb werden kaum Investoren abgehalten, in den Wohnbau zu investieren.

Führt das Sicherstellen der Vermietung in Kostenmiete nicht zu einer grossen Bürokratie?

Das hängt vom Gemeinderat ab. Der Gemeinderat regelt diese Aufgabe in einer Verordnung. Die Kontrolle der Mietzinse wird sicher einen gewissen Aufwand zur Folge haben. Der Gemeinderat hat es aber in der Hand, schlanke Verfahren zu wählen. Überall dort, wo gemeinnützige Wohnbauträger, z. B. Wohnbaugenossenschaften, die Wohnungen in Kostenmiete verwalten, kann er darauf vertrauen, dass diese die Kostenmiete einhalten. Denn es ist der Selbstzweck dieser Organisationen, Wohnungen in Kostenmiete zu vermieten. Übrigens: Die meisten gemeinnützigen Wohnbauträger kennen auch Regeln zur Belegung der Wohnungen. So gestatten sie z. B. nur ein Zimmer mehr als Personen, die eine solche Wohnung bewohnen. Das heisst beispielsweise, dass in einer 4-Zimmer-Wohnung mindestens 3 Personen wohnen müssen. Es werden also keine grossen Wohnungen an Einzelpersonen vermietet.